Unnötige Versicherungen: Die 5 völlig sinnlosen Policen, die nur kosten

0

Die Versicherungsbranche wird bei der Entwicklung neuer Produkte immer kreativer. Allerdings wurden zuletzt nicht selten Produkte geschaffen, die innovativ klingen aber bei näherer Betrachtung völlig überflüssig sind. Wir stellen Ihnen die Top 5 der unnötigsten Versicherungen vor. Halten Sie sich fest!

#5 Glasbruchversicherung

Nur etwas für Elefanten im Porzellanladen

unnötig

© olly / Fotolia

Viele Versicherer versuchen ihren Kunden, im Rahmen ihrer Cross-Selling-Bemühungen, zusätzlich zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung auch eine Glasbruchversicherung zu verkaufen.

Laut Definition kommt diese für Schäden auf, die im Zusammenhang mit Glasbeschädigungen, Glasbruch oder Glasveränderungen stehen. Schäden durch Brand, Leitungswasser, Sturm und Hagel sind bereits über die Hausrat- bzw. Wohngebäudeversicherung abgedeckt.

Versichert werden kann dabei sowohl die Mobiliarverglasung im Inneren der Wohnung als auch die Gebäudeverglasung. Als Glasscheiben zählen dabei unter anderem Fenster, Duschkabinen, Wintergärten, Sonnenkollektoren, Spiegelschränke, Aquarien, Bilder und Vitrinen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass allerdings wirklich etwas zu Bruch geht, ist recht überschaubar.

Halten Sie sich vor Augen, wie wenig Glasflächen in Ihrer Wohnung überhaupt vorhanden sind. Weil die Kosten für den Austausch oder die Reparatur einer Fensterscheibe selten hoch ausfallen, sind Jahresprämien von bis zu 40 EUR  nicht wirklich zu rechtfertigen. Erleiden Sie einen Glasbruchschaden erst nach 3 bis 5 Jahren, haben Sie in der Zwischenzeit mehr Beiträge bezahlt, als Sie für eine eventuelle Reparatur aufwenden müssten.

#4 Handy- und Elektrogeräteversicherung

Die gesetzliche Gewährleistung reicht voll und ganz

Seit geraumer Zeit werden Kunden mit Handy- und Elektrogeräteversicherungen konfrontiert. Diese neuartige Police wird im Zusammenhang mit dem Kauf von Notebooks, Handys oder Fernseher als eine Art Garantieverlängerung angeboten.

Je nach Anbieter erstreckt sich der Versicherungsschutz auf Schäden durch Diebstahl, Raub, Unfall, Bedienungsfehler, unsachgemäße Behandlung, Kurzschluss und Flüssigkeitszufuhr. Teilweise sind auch Konstruktionsfehler oder Funktions- bzw. Fabrikationsstörungen eingeschlossen. Die Leistungsdauer der Police erstreckt sich zumeist über eine Dauer von 4 Jahren nach Kaufdatum.

Eine Elektrogeräteversicherung ist für den Versicherer angesichts des geringen Kostenrisikos ein lohnendes Geschäft.

Aber nicht für Sie! Jedoch haben Sie eine erstklassige gesetzliche Absicherung.

Weil in den ersten beiden Jahren die gesetzliche Gewährleistungsfrist greift, hält sich die Versicherungsgesellschaft mit Leistungen vornehm zurück. In jedem Fall zahlt sie nur subsidiär, also erst, wenn keine andere Versicherung für den Schaden aufkommen muss. Dabei sind etwa Gefahren wie Diebstahl, Raub oder Überspannung ohnehin über die Hausratpolice abgedeckt.

Die Elektrogeräteversicherung berücksichtigt im Rahmen der Entschädigung nicht den Neuwert, sondern den Wert des Gerätes nach Abzug von Alter und Abnutzung. Weil Elektrogeräte einer rapiden Wertminderung unterliegen, würde der Versicherer nur für einen Bruchteil der Kosten aufkommen. Dabei kann die Prämie für ein 1.500 EUR teures Gerät satte 270 EUR kosten.

#3 Hochzeits-Rücktrittsversicherung

Ziemlich unromatisch und sehr teuer

© Andriy Petrenko / Fotolia

Jedes Jahr heiraten in Deutschland über 300.000 Paare. Daher ist es sehr gut nachvollziehbar, dass die Versicherer hierbei selbst mitverdienen möchten.

Getreu dem Filmstreifen „Die Braut, die sich nicht traut, haben einige Versicherer eine Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung ins Leben gerufen.

Hierbei werden die Stornokosten für den Fall versichert, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten aus einem genau definierten Grund ausfallen müssen.
Versicherte Gründe sind etwa eine unerwartete und schwere Erkrankung, der Verlust des Arbeitsplatzes, Tod, Schwangerschaft, schwere Unfallverletzung oder ein Schaden am eigenen Eigentum im Wert von mindestens 2.500 EUR. Bei einer Selbstbeteiligung von 250 EUR beträgt die Versicherungssumme 25.000 EUR. Die Kosten bestimmen sich nach den Kosten des Arrangements (Unterkunft, Verpflegung etc.).

Der Abschluss der Police muss spätestens 30 Tage vor Beginn der Festivität erfolgen. Mehr als um einen sinnvollen Schutz eignet sich das Produkt als Werbegag. Zahlreiche Ausschlüsse im Kleingedruckten machen den Abschluss einer Hochzeits-Rücktrittversicherung alles andere als empfehlenswert. So schließt die Versicherung Krankheiten aus, die in den letzten 6 Monaten behandelt wurden. Zudem werden weitere Kosten wie Kirchenschmuck, Mietauto oder Einladungskarten ebenfalls nicht berücksichtigt.

#2 Versicherung gegen „häusliche Notfälle“

Wer sich nicht häufig Monat aussperrt, braucht so etwas nicht

„Das Problem: Die Policen kosten einfach mehr als sie mit hoher Wahrscheinlichkeit leisten!“

Sehr aufregend klingt die Versicherung gegen „häusliche Notfälle“, oftmals auch als Wohnungsschutzbrief bezeichnet. Angeblich soll der neuartige Versicherungsschutz gegen unberechenbare Ereignisse – durch eine kompetente und schnelle Soforthilfe – schützen.

Zu den versicherten Leistungen zählen unter anderem ein Elektro-, Heizungs- und Sanitär-Installationsservice, ein Schlüsseldienst, Rohrreinigungsservice und die Schädlingsbekämpfung. Somit können Sie die Versicherung dann in Anspruch nehmen, wenn Ihre Heizungsanlage im Winter ausfallen sollte, ein Ableitungsrohr verstopft ist oder Ihre Wohnung von einer Vielzahl Kakerlaken heimgesucht wird. Zumeist ist auch eine Kinderbereuung für den Fall vorgesehen, dass der Versicherungsnehmer aufgrund eines Unfalls oder plötzlichen Erkrankung im Krankenhaus verbleiben muss.

Auch wenn genannte Situationen sehr unangenehm sind, stellen Sie den Versicherten nur selten vor den finanziellen Ruin.

Mieter müssen sich auch die Frage stellen, ob Sie im Schadensfall überhaupt finanziell verantwortlich sind.

Bei Mietwohnungen müssen unverschuldete Schäden an der Elektrik oder an Rohren sowieso vom Vermieter übernommen werden. Gleiches gilt für die Entfernung von Wespennestern und Ungeziefer. Ohnehin werden die Kosten für ein derartiges Ereignis zumeist nur in Höhe von 500 EUR übernommen. Die Prämie für eine solche Versicherung können Sie sich demnach getrost sparen.

#1 Kfz-Insassenunfallversicherung

Die Pole Position

Unter den unnötigen Versicherungsprodukten nimmt auch die Insassenunfallversicherung eine Spitzenposition ein.

Nahezu jede Versicherungsgesellschaft bietet diese Police im Zusammenhang mit dem Abschluss einer Kfz-Versicherung an – und das nicht ohne Grund.
Die Insassenunfallversicherung wird als notwendige Absicherung für sämtliche Mitfahrer angepriesen. Allerdings braucht der Versicherer aufgrund diverser gesetzlicher Regelungen so gut wie nie zu leisten. Denn werden die Insassen etwa bei einem Verkehrsunfall verletzt, so werden sämtliche Ansprüche gegenüber dem Fahrer von der Kfz-Haftpflichtversicherung übernommen.

Sind die Ansprüche gegenüber dem Fahrer nicht berechtigt, so braucht weder der Fahrzeughalter noch irgendeine Versicherung zu zahlen. Allerdings sind die Fälle, bei denen die Kfz-Haftpflichtversicherung nicht zu leisten braucht, sehr selten. Denn selbst bei unabwendbaren Ereignissen (Ölspur, Blitzeis) kann der Fahrer aufgrund Gesetzeslage haftbar gemacht werden.

Die Insassenunfallversicherung hat demzufolge als erst Recht keine Daseinsberechtigung.

Damit etwa Familienangehörige bei unverschuldeten Unfällen nicht ganz leer ausgehen, sollten diese über den Abschluss einer regulären Unfallversicherung nachdenken. Kaum teurer als die Insassenunfallpolice, leistet diese nämlich nicht nur bei Autounfällen. Dies gilt im Übrigen auch für den Fahrer, der alternativ einen anderen – zur Abwechslung äußerst empfehlenswerten – Versicherungsschutz beantragen sollte: nämlich eine z.B. Berufsunfähigkeitsversicherung.

Jetzt sind Sie dran!
Das sind nur 5 von einigen unnötigen Versicherungen, die jedes Jahr viele Male abgeschlossen werden. In den meisten Versicherungsordnern lauern häufig noch weitere Geldvernichtungsverträge. Gehen Sie Ihre eigenen Policen durch und stellen Sie sich diese 3 Fragen:

  1. Wie hoch wären die Kosten in einem Schadensfall und könnte ich diese auch (ohne Probleme) selbst tragen?
  2. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich zu einem Schadensfall kommt?
  3. Werden die Leistungen vielleicht schon durch eine andere Versicherung abgedeckt?

Vertrauen Sie Ihrem Gefühl! Sollten Sie im Zuge der Selbstfragung misstrauisch gegenüber einer Versicherungspolice werden, ist es sinnvoll sich Gedanken über eine Kündigung zu machen.

Das sind mehrere Hundert Euro an Ersparnissen, jedes Jahr!

VN:F [1.9.22_1171]
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Rating: 4.1/5 (7 votes cast)
Unnötige Versicherungen: Die 5 völlig sinnlosen Policen, die nur kosten, 4.1 out of 5 based on 7 ratings

Comments are closed.